Hervorgehoben

Die Jazz Swing College Band nimmt Abschied von Laszlo Dömötör

Es wird in Krefeld nicht viele geben, die nichts mit seinem Namen verbinden, es wird viele geben, die über ihn den Weg zu ihrem Instrument gefunden haben, und es gibt eine ganze Reihe, die dadurch Preise erzielt oder erfolgreich ihre Berufswahl getroffen haben: Laszlo Dömötör, er verstarb im Alter von 71 Jahren. Seine Begeisterung für Musik, der Enthusiasmus, der auf seine Schülerinnen und Schüler übersprang und in zahlreichen Auftritten, bei denen er auch selbst zum Instrument griff, die Zuhörerschaft begeisterte, machte ihn nicht nur in den 38 Arbeitsjahren an der Musikschule der Stadt Krefeld zu einer musikalischen Institution. Mit Klarinette und Saxophon spielte er in unterschiedlichen Formationen und übernahm 1995 von seinem Vorgänger und Freund Arnold Schiffer die Leitung der Jazz Swing College Band an der Musikschule der Stadt Krefeld. Über zwei Jahrzehnte hinweg hat er die Band geleitet und ihren musikalischen Stil geprägt. Eine große Anhängerschaft bezeugt dies bis heute wie auch die zahlreichen Musikerinnen und Musiker, die er an diese Musik herangeführt hat, und die bis heute der Band aktiv durch ihre Mitwirkung verbunden geblieben sind. Sie alle werden in der Musik sein Andenken bewahren.

Für die Jazz Swing College Band

Werner Lichtenberg

Hervorgehoben

10. Dezember 2019, 20.30 Uhr, Einlass 19.45 Uhr • Jazzkeller, Krefeld, Lohstr. 92

Jazz Swing College Band zum 35.

Beinahe alle Generationen kennen den Filmtitel „1984“ von George Orwell, der fins­tere Zukunftsvisionen zeichnet, die sich zum Glück nicht alle erfüllt haben. Tatsäch­lich aber stand das Jahr 1984 vor allem wegen der Prognose von George Orwell un­ter besonderer Beobachtung und konnte eine ganze Reihe herausragender Ereignis­se verzeichnen. So berichten die Historiker z. B. von der ersten Frau in der Schweiz, der ein Ministeramt zugetraut wurde, während im selben Jahr in Brasilien ein Fußbal­ler das Licht der Welt erblickte, der später den Krefelder Fußballverein, heute KFC, retten sollte: Ailton Nascimento Correia – hat aber nicht ganz geklappt. Der Erfolg eines anderen fußballerischen Ereignisses gilt ebenfalls als nicht zweifelsfrei erwie­sen: Franz Beckenbauer verordnete am 17. Oktober 1984 seinen direkten Unterta­nen das Mitsingen der Nationalhymne, und von da an hießen die drei Tenöre Rudi Völler, Toni Schumacher und Mario Basler.

Dies sollte aber nicht das einzige vielbeachtete musikalische Jahreshighlight bleiben. Blind Guardian wurden gegründet, ebenso Bon Jovi, und auch Krefeld machte musi­kalisch auf sich aufmerksam: Im Herbst 1984 rief der international bekannte Posau­nist Arnold Schiffer, bei der BFN als „Germans Tommy Dorsey“ betitelt und damals auch nebenamtlicher Lehrer an der Musikschule der Stadt Krefeld, die Gründung einer Bigband aus. Schülerinnen, Schüler und Kollegen der Musikschule stiegen in dieses Projekt ein und erreichten binnen zweier Jahre bereits ein Niveau, das sie beim Laienorchesterwettbewerb 1988 in Berlin die Leistungsstufe 1 einordnete. Mit „Jazz Swing College Band“ hatte der Big Band Jazz in Krefeld einen Namen bekommen, der den „alten“ Klassikern Ellington, Basie, Miller u. v. a. zu neuem Gehör und einer großen Anhängerschaft verhalf. Wo immer Arnold Schiffer seine Musiker versammelte, war ihnen ein gewo­genes Publikum sicher. In den ersten zehn Jahren der Bandgeschichte baute Schif­fer einen Klangkörper mit stetig wachsendem Repertoire und konnte 1994 „seine“ Big Band dem ersten Nachfolger übergeben.

Laszlo Dömötör, ebenfalls Lehrer an der Musikschule Krefeld und Garant für unzähli­ge erste und vordere Plätze bei bundesweiten Musikwettbewerben, übernahm das Ensemble und entwickelte über die Jahre das Repertoire, aber auch den Stil des En­sembles weiter. Latin-Rhythmen fanden verstärkt ihren Weg in das neue Repertoire und erschlossen darüber einen zusätzlichen Freundeskreis.

Viele Namen sind seit Gründung der Band durch die Besetzungsliste gewandert, ei­nige sind tatsächlich beinahe von der ersten Probe an dabei und haben der Band und ihrer Musik die Treue gehalten. Laszlo Dömötör hat aber nicht nur frühzeitig da­rauf zugearbeitet, der Band weiterhin einen eigenen Klang zu geben, sondern auch bei Zeiten seine eigene Nachfolge zu regeln. Er saß ihm über Jahre direkt gegenüber und zählte als Saxophonist zu seinen größten Erfolgen, sodass sich der Stabwechsel nahezu zwanghaft aufdrängte. Im Sommer 2008 trat Oliver Hirschegger, heute auch Lehrer an der Musikschule Krefeld, zunächst neben ihn ans Pult und wuchs so mit der Zeit organisch an seinen Platz.

Und wieder sind es ungefähr zehn Jahre her, dass Oliver Hirschegger damit begann, den Klangkörper weiter am Zeitgeschehen des Big Band Jazz zu orientieren, funkyge und rockige Titel aufzunehmen und damit heute nahezu jeden Geschmack bedienen zu können.

Die Bandgeschichte weist über die gesamte Zeit ihres Bestehens hinweg mittlerweile eine unüberschaubar große Menge an Auftrittsdaten auf, und es würde bei dem bis­her Gesagten verwundern, wenn dabei nicht auch große Namen des Jazz den Weg der Jazz Swing College Band gekreuzt hätten bzw. diesen Weg einen Schritt mitge­gangen wären. Bei Kennern der Szene löst allein die Nennung der Musikerinnen und Musiker schon Klangerlebnisse aus, da wären nur beispielhaft – und kein Ungenann­ter möge sich böswillig übergangen fühlen – etwa Brenda Boykin, Kerstin Brix, Paul Kuhn, Mara Minjoli, Ludwig Nuss, Bill Watrous.

Mit Blick auf das „kleine“ Jubiläumsjahr hat die Band bereits im Vorjahr unter dem Titel „Herbsthighlight“ eine Konzertreihe initiiert, um die Zusammenarbeit mit bekann­ten Musikerinnen und Musikern aus der Jazzszene fest mit ihren Auftrittsplanungen zu verbinden. Die entsprechenden Konzerte finden jeweils als Doppelkonzert am 2. und 3. Oktober eines jeden Jahres statt und sind rechtzeitig über die Homepage der Band www.jazzswingcollegeband.eu abrufbar.

Bisher kam es unter dem genannten Titel zu zwei Gastauftritten. 2018 war der Saxo­phonist Reiner Witzel, der danach zweimal seine Europakonzertreise für einen ge­meinsamen Auftritt in der Burg Linn mit der Band unterbrochen hat, der Premierenso­list. Im aktuellen Jahr gab es ein Wiedersehen der besonderen Art: Ursprünglich selbst ein Gründungsmitglied der Jazz Swing College Band, seitdem aber längst in­ternational bekannter Jazztrompeter, kehrte Christian Meyers für einen Kurzbesuch aus Berlin in seine alte Heimatstadt zurück und spielte mit einigen seiner früheren musikalischen Mitstreiter und den anderen aktuellen Bandmitgliedern ein über­schwänglich gefeiertes Konzert. In seinen Zwischenmoderationen ließ er immer wie­der seine ganz persönliche Verbindung zur Bandgeschichte und den ausgewählten zum Teil eigenen Titeln einfließen.

Jedes Jahr geht natürlich einmal zu Ende und so auch dieses Jahr mit dem 35-jährigen Bestehen der Big Band der Musikschule der Stadt Krefeld. Während die Band in den Vorjahren ihre treuesten Anhänger immer am letzten Dienstag vor den Weihnachtsferien in der Musikschule zu einem letzten Konzertabend versammelt hat, fällt dieser Termin 2019 etwas öffentlicher aus. Der Jazzkeller stellt sich zur Verfü­gung, um mit allen, die die Musik der Jazz Swing College Band über die Jahre be­gleitet haben, gemeinsam das Vergangene zu feiern und auf eine friedliche Zukunft anzustoßen.

10.12.2019

20.30 Uhr, Einlass 19.45 Uhr

Eintritt frei, Spenden erbeten

Werner Lichtenberg

Restart

Seit einer Woche versucht die Jazz Swing College Band wieder einen Weg in den Probenbetrieb zu finden. Unter strengen Hygieneauflagen haben sich die Musikerinnen und Musiker getroffen und neben dem musikalischen Probenteil auch auszuloten versucht, wie wir wieder die Ohren der Bigbandfangemeinde erreichen können. Das Sommerhalbjahr geht rapide seinem Ende entgegen und damit auch die Open Air Saison. Indoorveranstaltungen sind in der aktuellen Situation nicht planbar, sodass noch abzuwarten bleibt, was möglich sein wird. Leider werden wir natürlich in diesem Jahr kein Herbsthighlight präsentieren können. Ergebnisse unserer Überlegungen werden wir aber umgehend auf dieser Seite kommunizieren.

Nicht vergessen sollten wir dabei, dass wir unserem Hobby nachgehen, während Berufsmusiker und alle freischaffenden Künstler große Schwierigkeiten haben, ihre wirtschaftliche Existenz zu sichern. Unsere Mitteilungen sind also zugleich immer auch ein Aufruf, alle Musiker und auftretenden Künstler im Blick zu behalten, um ihnen jede mögliche Resonanz zu verschaffen, die sie unterstützen kann.

Wir wünschen allen eine gute Zeit und ganz viel Gesundheit!

Für die Jazz Swing College Band Werner Lichtenberg

Eröffnungskonzert der Jazz Rally Düsseldorf

„Die Jazz Swing College Band, Big Big Band der Musikschule der Stadt Krefeld, eröffnet in diesem Jahr das Jazzfestival in Düsseldorf auf dem Marktplatz vor dem Rathaus.“

So weit der Plan zu Anfang dieses Jahres. Nun musste die Gesamtveranstaltung leider wegen des Coronavirus für dieses Jahr abgesagt und auf den 21. – 23. Mai 2021 verschoben werden. Wir möchten uns aber schon jetzt für die bisher geleistete Arbeit des Orgateams der schauinsland-reisen bedanken und hoffen im kommenden Jahr für alle Beteiligten auf einen ausgleichend starken Besuch aller Veranstaltungen.

Wie es für die Auftritte der Jazz Swing College Band in 2020 weitergeht, werden wir an dieser Stelle kommunizieren, sobald es wieder Termine gibt.

Bis dahin und darüber hinaus wünschen wir allen Kranken gute Besserung und den anderen: Bleibt gesund!

Ihre/Eure

Jazz Swing College Band

 

 

Ballroomatmosphäre im Jazzkeller

35 Jahre Jazz Swing College Band – Big Band der Musikschule Krefeld

Genau das aber passierte am 10. Dezember 2019 mit der Jazz Swing College Band. Die Big Band der Musikschule Krefeld unter ihrem Leiter Oliver Hirschegger bestand im Herbst 2019 35 Jahre und lud daher zur Geburtstagsfeier in das Traditionslokal ein. Im Oktober 1984 scharte der international renommierte Posaunist Arnold Schiffer eine Gruppe junger Musikerinnen und Musiker um sich, und initiierte eine Band, deren Sound schnell seine Anhängerschaft fand. Wo immer er mit seiner Band spielte, sammelten sich die Freunde der Swing Ära, die musikalisch keineswegs zum alten Eisen zu zählen war. Bis heute hat sie sich ihre Berechtigung in unterschiedlichen Kontexten erspielt und erhalten.

Zugegeben, an die großen Ballrooms wie etwa den Savoy Ballroom im New Yorker Stadtteil Harlem denkt vermutlich niemand, der die Absicht hat, den Krefelder Jazzkeller zu besuchen, allein schon die Namensgebung weckt keine gemeinsamen Assoziationen. Und dennoch zeigt die Geschichte zumindest einen kleinen Berührungspunkt. Im gleichen Jahr, als der Savoy Ballroom seine Tore für immer schloss, öffnete sich am oberen Ende einer steilen Treppe die Türe zum Krefelder Jazzkeller, nämlich 1958. Damit ist das Lokal das viertälteste dieser Art in Deutschland und hat in seiner Vergangenheit manche Musikgeschichte erlebt und selbst auch mitgeschrieben. Tatsächlich findet sich im Untergeschoss der Lohstraße 92 in Krefeld kein Saal mit Kronleuchtern und Gästen in edlen Roben, und auch die darbietenden Musiker sind in aller Regel gering an der Zahl. So kommt es nur sehr selten dazu, dass eine komplette Big Band den Weg in den Untergrund antritt, um dort ihre Musik zu präsentieren.

Über die dreieinhalb Jahrzehnte wechselten neben den meisten Musikern naturgemäß auch die Bandleader, allerdings in so großen Abständen, dass jeder von ihnen der Band seinen eigenen Sound vermitteln konnte. Auf Arnold Schiffer folgte nach ca. zehn Jahren sein Freund Laszlo Dömötör, der nach ähnlich großer Spanne an seinen früheren Schüler Oliver Hirschegger übergab. Der Konzertabend im Jazzkeller schlug den Bogen über die gesamte Bandgeschichte und machte dabei vielerorts Station an markanten Punkten.

Frühere Wegbegleiter und große Gastnamen erhielten ihre Reminiszenzen an diesem Abend. Da war der große und einzigartige Posaunist Bill Watrous, mit dem die Jazz Swing College Band 2015 ein gemeinsames Konzert gestaltet hatte und der 2018 knapp achtzigjährig verstorben ist. In Erinnerung an diesen großartigen Musiker spielte die Band seinen Titel „A Time For Love“, mit dem Christoph Markloff-Müller, 1. Posaunist der Band, die Zuschauer fesselte und durch jeden einzelnen Ton ihre Sinne gleichsam miteinander verschmelzen ließ.

Auch die eigenen Reihen brachten Großes und Große hervor. Das „Herbsthighlight“ 2019 setzte der frühere Schüler der Musikschule und heute weltweit agierende Trompeter Christian Meyers, der im Oktober ein gefeiertes Konzert in der Musikschule mit der Band gab. „Ballad for A Friend“, von Peter Herbolzheimer für seinen Freund Ack van Royen komponiert, war einer der von Christian Meyers dargebotenen Titel auf der Trompete. Oliver Hirschegger gelang damit nun mit seiner Interpretation auf dem Saxophon eine Stimmung, bei der die Sorge aufkam, das Publikum könnte zeitweise das Atmen vergessen haben. Vermutlich hatten alle dabei Gedanken an jemanden, dem wiederum sie die Ballade widmen wollten.

Zu den dargebotenen musikalischen Besonderheiten zählten auch einige Titel, deren Bearbeitung heraussticht. Die Band weiß unter ihren Mitgliedern nicht nur hervorragende Musiker und Solisten, sondern einen eigenen Arrangeur. Mit Florian Raepke, der selbst als Schüler der Musikschule seine ersten instrumentalen Schritte gegangen ist, kann die Band auf jemanden setzen, der durch seine Kenntnis der Band immer die Arrangements kreiert, die ganz speziell auf diesen Klangkörper zugeschnitten sind. Dabei zeigt er in der Bearbeitung von Jazzstandards gleich hohe Treffsicherheit wie bei Ausflügen in die klassische Musik, wie der Abend am Beispiel eines Arrangements des Chormotivs aus Beethovens 9. Sinfonie bewies.

Es gab aber nicht nur Musik nach dem Motto „alle, die wir früher mal getroffen haben“, sondern ein ganz besonderer Gast, der mit der Jazz Swing College Band schon über viele Jahre bis heute verbunden ist und das Zuhören immer wieder zu einem besonderen Erlebnis gemacht hat, gab dem Abend eine Stimme, ihre Stimme: Kerstin Brix. In allen Lagen zuhause sorgte sie dafür, dass der Jazzkeller mit ihrer Stimmgewalt scheinbar sogar den Behnischbau an die gegenüberliegende Häuserfront drücken wollte. Bisher andächtiges und anerkennendes Raunen, gepaart mit begeistertem Applaus wichen hier überbordender Spielfreude bei allen Beteiligten und Zuhörern. Und Kerstin Brix schaffte es doch, wenn man so ungeschickt war, für einen Moment in der Enge des Kellers die Augen zu schließen, dass man sich zumindest akustisch im Savoy Ballroom glaubte. Die eher ruhigeren Titel perlten dabei ebenso wie die Up Tempo Nummern, an deren Gelingen die Rhythmusgruppe, bestehend aus Markus Giesen am Klavier, Michael Kuhlmann und Niels Roos, die sich am Bass abwechselten, und Dennis Janson am Schlagzeug maßgeblichen Anteil hatten und nicht nur nach Maßgabe des Bandleaders zu den wenigen des Landes gehören, die dazu im Stande sind.

Mit 35 Jahren ist die Jazz Swing College Band der Musikschule Krefeld nun „zu alt, um nur zu spielen, zu jung, um ohne Wunsch zu sein“, und so gibt es für die nähere und auch fernere Zukunft durchaus noch offene Wünsche zu musikalischen Projekten, deren Erfüllung das Publikum des Abends mit Sicherheit voller Spannung entgegensieht.

Werner Lichtenberg

35 Jahre Jazz Swing College Band

Jazz Swing College Band zum 35.

 

Beinahe alle Generationen kennen den Filmtitel „1984“ von George Orwell, der fins­tere Zukunftsvisionen zeichnet, die sich zum Glück nicht alle erfüllt haben. Tatsäch­lich aber stand das Jahr 1984 vor allem wegen der Prognose von George Orwell un­ter besonderer Beobachtung und konnte eine ganze Reihe herausragender Ereignis­se verzeichnen. So berichten die Historiker z. B. von der ersten Frau in der Schweiz, der ein Ministeramt zugetraut wurde, während im selben Jahr in Brasilien ein Fußbal­ler das Licht der Welt erblickte, der später den Krefelder Fußballverein, heute KFC, retten sollte: Ailton Nascimento Correia – hat aber nicht ganz geklappt. Der Erfolg eines anderen fußballerischen Ereignisses gilt ebenfalls als nicht zweifelsfrei erwie­sen: Franz Beckenbauer verordnete am 17. Oktober 1984 seinen direkten Unterta­nen das Mitsingen der Nationalhymne, und von da an hießen die drei Tenöre Rudi Völler, Toni Schumacher und Mario Basler.

 

Dies sollte aber nicht das einzige vielbeachtete musikalische Jahreshighlight bleiben. Blind Guardian wurden gegründet, ebenso Bon Jovi, und auch Krefeld machte musi­kalisch auf sich aufmerksam: Im Herbst 1984 rief der international bekannte Posau­nist Arnold Schiffer, bei der BFN als „Germans Tommy Dorsey“ betitelt und damals auch nebenamtlicher Lehrer an der Musikschule der Stadt Krefeld, die Gründung einer Bigband aus. Schülerinnen, Schüler und Kollegen der Musikschule stiegen in dieses Projekt ein und erreichten binnen zweier Jahre bereits ein Niveau, das sie beim Laienorchesterwettbewerb 1988 in Berlin die Leistungsstufe 1 einordnete. Mit „Jazz Swing College Band“ hatte der Big Band Jazz in Krefeld einen Namen bekommen, der den „alten“ Klassikern Ellington, Basie, Miller u. v. a. zu neuem Gehör und einer großen Anhängerschaft verhalf. Wo immer Arnold Schiffer seine Musiker versammelte, war ihnen ein gewo­genes Publikum sicher. In den ersten zehn Jahren der Bandgeschichte baute Schif­fer einen Klangkörper mit stetig wachsendem Repertoire und konnte 1994 „seine“ Big Band dem ersten Nachfolger übergeben.

 

Laszlo Dömötör, ebenfalls Lehrer an der Musikschule Krefeld und Garant für unzähli­ge erste und vordere Plätze bei bundesweiten Musikwettbewerben, übernahm das Ensemble und entwickelte über die Jahre das Repertoire, aber auch den Stil des En­sembles weiter. Latin-Rhythmen fanden verstärkt ihren Weg in das neue Repertoire und erschlossen darüber einen zusätzlichen Freundeskreis.

 

Viele Namen sind seit Gründung der Band durch die Besetzungsliste gewandert, ei­nige sind tatsächlich beinahe von der ersten Probe an dabei und haben der Band und ihrer Musik die Treue gehalten. Laszlo Dömötör hat aber nicht nur frühzeitig da­rauf zugearbeitet, der Band weiterhin einen eigenen Klang zu geben, sondern auch bei Zeiten seine eigene Nachfolge zu regeln. Er saß ihm über Jahre direkt gegenüber und zählte als Saxophonist zu seinen größten Erfolgen, sodass sich der Stabwechsel nahezu zwanghaft aufdrängte. Im Sommer 2008 trat Oliver Hirschegger, heute auch Lehrer an der Musikschule Krefeld, zunächst neben ihn ans Pult und wuchs so mit der Zeit organisch an seinen Platz.

 

Und wieder sind es ungefähr zehn Jahre her, dass Oliver Hirschegger damit begann, den Klangkörper weiter am Zeitgeschehen des Big Band Jazz zu orientieren, funkyge und rockige Titel aufzunehmen und damit heute nahezu jeden Geschmack bedienen zu können.

Die Bandgeschichte weist über die gesamte Zeit ihres Bestehens hinweg mittlerweile eine unüberschaubar große Menge an Auftrittsdaten auf, und es würde bei dem bis­her Gesagten verwundern, wenn dabei nicht auch große Namen des Jazz den Weg der Jazz Swing College Band gekreuzt hätten bzw. diesen Weg einen Schritt mitge­gangen wären. Bei Kennern der Szene löst allein die Nennung der Musikerinnen und Musiker schon Klangerlebnisse aus, da wären nur beispielhaft – und kein Ungenann­ter möge sich böswillig übergangen fühlen – etwa Brenda Boykin, Kerstin Brix, Paul Kuhn, Mara Minjoli, Ludwig Nuss, Bill Watrous.

 

Mit Blick auf das „kleine“ Jubiläumsjahr hat die Band bereits im Vorjahr unter dem Titel „Herbsthighlight“ eine Konzertreihe initiiert, um die Zusammenarbeit mit bekann­ten Musikerinnen und Musikern aus der Jazzszene fest mit ihren Auftrittsplanungen zu verbinden. Die entsprechenden Konzerte finden jeweils als Doppelkonzert am 2. und 3. Oktober eines jeden Jahres statt und sind rechtzeitig über die Homepage der Band www.jazzswingcollegeband.eu abrufbar.

 

Bisher kam es unter dem genannten Titel zu zwei Gastauftritten. 2018 war der Saxo­phonist Reiner Witzel, der danach zweimal seine Europakonzertreise für einen ge­meinsamen Auftritt in der Burg Linn mit der Band unterbrochen hat, der Premierenso­list. Im aktuellen Jahr gab es ein Wiedersehen der besonderen Art: Ursprünglich selbst ein Gründungsmitglied der Jazz Swing College Band, seitdem aber längst in­ternational bekannter Jazztrompeter, kehrte Christian Meyers für einen Kurzbesuch aus Berlin in seine alte Heimatstadt zurück und spielte mit einigen seiner früheren musikalischen Mitstreiter und den anderen aktuellen Bandmitgliedern ein über­schwänglich gefeiertes Konzert. In seinen Zwischenmoderationen ließ er immer wie­der seine ganz persönliche Verbindung zur Bandgeschichte und den ausgewählten zum Teil eigenen Titeln einfließen.

 

Jedes Jahr geht natürlich einmal zu Ende und so auch dieses Jahr mit dem 35-jährigen Bestehen der Big Band der Musikschule der Stadt Krefeld. Während die Band in den Vorjahren ihre treuesten Anhänger immer am letzten Dienstag vor den Weihnachtsferien in der Musikschule zu einem letzten Konzertabend versammelt hat, fällt dieser Termin 2019 etwas öffentlicher aus. Der Jazzkeller stellt sich zur Verfü­gung, um mit allen, die die Musik der Jazz Swing College Band über die Jahre be­gleitet haben, gemeinsam das Vergangene zu feiern und auf eine friedliche Zukunft anzustoßen.

 

10.12.2019

20.30 Uhr, Einlass 19.45 Uhr

Eintritt frei, Spenden erbeten

 

Werner Lichtenberg

Herbsthighlight mit Christian Meyers (tr)

Im vergangenen Jahr startete die Jazz Swing College Band unter dem Titel „Herbsthighlight“ eine neue Konzertreihe, deren Erfolg nun die Fortführung gleichsam erzwingt. Bekannte Solisten des Jazz, die eine private oder musikalische Verbindung zur Bigband der Musikschule der Stadt Krefeld haben, kommen dazu am Vorabend zum „Tag der deutschen Einheit“ zu einem Konzert mit der Band nach Krefeld.

In diesem Jahr konnte der Trompeter Christian Meyers für einen Auf­tritt gewonnen werden. Christian Meyers lebt und arbeitet in Berlin, hat aber bereits im Alter von 11 Jahren in Krefeld zur Trompete gegrif­fen und sehr bald den Jazz für sich entdeckt. Über die Titel „American Patrol“ und „St. Louis Blues March“ aus der Plattensammlung seines Vaters führte ihn der Weg eines Tages in die Jazz Swing College Band, bevor er dann sein Instrument in Frank­furt studierte.

Musikalisch möchte er sich gerne aus möglichen Schubladen heraushalten, nicht wegen eventueller Klaustrophobie, sondern um die gesamte musikalische Breite nut­zen zu können und weil er das Denken und Klassifizieren nach begrenzten Mustern ablehnt. So zählt zu seinen absoluten Lieblingsstücken sein „April’s Prayer“, worin er eine tausend Jahre alte Melodie zu einem der bekanntesten Psalmen (Christ ist er­standen) aufgreift und daraus „seine“ Musik macht. Ab und an zieht ihn die Neugier auf anderes auch in Sinfonieorchester, wenn in der Klassik seine Jazzerfahrung von besonderem Nutzen ist. So hat er seinen Platz schon einmal nicht nur im berühmten Gewandhausorchester gefunden, sondern ebenso in den Bigbands von SWR, WDR oder Rias.

Seit vielen Jahren betreibt er ein traditionell besetztes Jazz-Quintett, in dem er mit wechselnden, ausgewählten Musikern seine variantenreichen Projekte verwirklicht. Die Konstante daneben ist „Meyers Nachtcafé“, das es nach seinen Worten nur in Originalbesetzung zu hören gibt oder gar nicht und das den Funk Jazz bedient.

Der Herbst gilt ihm als die liebste Jahreszeit, auch wenn diese in Berlin häufig etwas zu kalt für ihn ausfällt. Nicht nur aus diesem Grund wird er am 2. Oktober gerne nach Krefeld kommen und zusammen mit der Jazz Swing College Band der Musikschule der Stadt Krefeld unter Oliver Hirschegger für einen besonderen Abend sorgen.

Der Eintritt ist frei, eine Spende wird nach dem Konzert gerne zur Finanzierung der verschiedenen musikalischen Projekte entgegengenommen.

Werner Lichtenberg

JSCB featuring Reiner Witzel

KulturHochBurg Linn präsentiert: 

Von der Akropolis in die Burg Linn Reiner Witzel, den regelmäßigen Besuchern der Konzerte der Jazz Swing College Band der Musikschule der Stadt Krefeld auch in Krefeld längst kein Unbekannter mehr, hat seinen ersten gemeinsa­men Auftritt mit der Big Band im Herbst 2018 zum Anlass genommen, mit alten und lieb gewonnen Ge­wohnheiten zumindest ein bisschen zu brechen.

Kennern der Jazzszene war der Saxophonist bis da­hin mit Combobegleitung schon lange im Gedächtnis. Für seinen Auftritt mit der Jazz Swing College Band überließ er einige seiner Kompositionen dem Arran­geur der Big Band, Florian Raepke, der sie zu vollem Big Band Sound ausbaute und damit großen Zuspruch fand. In der Folgezeit holte Witzel weitere Arrangeure für seine Titel ins Boot und präsentierte das Ergebnis erstmals im Frühjahr in Athen.

Zur Deutschlandpremiere kommt es nun am 26. Juni im Innenhof der Burg Linn. Bandleader Oliver Hirschegger hat die Band wie immer bestens vorbereitet und wird dem Publikum einen großen Jazzabend vor der unvergleichlichen Kulisse der Kurkölnischen Wasserburg präsentieren.

Da die räumliche Beschaffenheit des Innenhofes nur ein begrenz­tes Platzangebot zulässt, ist es angeraten, sich frühzeitig um Kar­ten zu bemühen. Telefonische Vorbestellungen nimmt ab sofort die Museumskasse der Burg Linn (02151 155390) entgegen.

Termin:      Mittwoch, 26. Juni 2019
Beginn:      20.00 Uhr
Einlass:      19.00 Uhr
Eintritt:     10,00 €

Der Innenhof ist bestuhlt, freie Platzwahl.

Kultur findet Stadt, Frühschoppen feat. Kerstin Brix

Die Stadt Krefeld bewirbt ihre diesjährige Veranstaltung als „Kulturhighlight“ des Jah­res. Wenn sie damit unter anderem auf den Auftritt von Kerstin Brix mit der Jazz Swing College Band abzielt, liegt sie mit ihrer Ankündigung goldrichtig.

Der erste Termin der Bigband der Mu­sikschule Krefeld in diesem Jahr beim Neujahrsempfang der Stadt Krefeld im Stadtwaldhaus ließ für die neue Kon­zertsaison bereits einiges erwarten, und unmittelbar mit dem Frühlingsbeginn bewies Bandleader Oliver Hirscheg­ger, dass er „seine“ Band gut durch den Winter gebracht hatte. Das Son­derkonzert vor den Mitgliedern und Gästen des Inner Wheel Club ebenfalls im Stadtwaldhaus hatte eine überwälti­gende Resonanz, und diese wurde vor allem durch den stimmgewaltigen Auftritt von Kerstin Brix hervorgerufen.

Dies war nicht das erste Zusammentreffen zwischen der Interpretin und der Bigband und sollte auch keineswegs das letzte bleiben. Schon ein Vierteljahr später wird es am 15. Juni zu einer Neuauflage kommen. Das Konzert ließe sich mit einem Motto und Songtext von Frank Sinatra überschreiben: „I’m Gonna Live Until I Die“, und den Titel wird auch Kerstin Brix präsentieren und nicht nur damit für zwei Stunden guter Laune und bester Swing-Unterhaltung sorgen. Wer eine Auszeit vom Alltag sucht, darf die­sen Termin nicht verpassen, und selbst bei möglichem Dauerregen gilt: Pick Yourself Up!